Vanitas

 

Der Halsschmuck Vanitas ist eine Reminiszenz an die Portraits von Cranach (dem Älteren und dem Jüngeren). Diese strahlen eine große Schönheit aus. Alles ist ideal – die Pose, der Gesichtsausdruck, die prunkvollen Kleider, der prächtige Schmuck. Diese Personen sind auf dem Höhepunkt ihrer Vitalität und für die Ewigkeit so festgehalten. Die Farbpalette wird dominiert von kräftigen Tönen und ist doch delikat.
Der schöne Schein ist trügerisch. Alles vergeht, wie auch diese Personen längst in einen anderen Aggregatzustand übergangen sind.

So beschreibt das Sonett „Es ist alles eitel“ des barocken Dichters Andreas Gryphius aus dem Jahr 1637 diese Gedanken:

Du sihst / wohin du sihst nur Eitelkeit auff Erden.
Was dieser heute baut / reist jener morgen ein:
Wo itzund Städte stehn / wird eine Wiesen seyn /
Auff der ein Schäfers-Kind wird spielen mit den Herden.

Was itzund prächtig blüht / sol bald zutretten werden.
Was itzt so pocht vnd trotzt ist morgen Asch vnd Bein /
Nichts ist / das ewig sey / kein Ertz / kein Marmorstein.
Itzt lacht das Glück vns an / bald donnern die Beschwerden.

Der hohen Thaten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit / der leichte Mensch bestehn?
Ach! was ist alles diß / was wir vor köstlich achten /

Als schlechte Nichtigkeit / als Schatten / Staub vnd Wind,
Als eine Wiesen-Blum / die man nicht wider find’t.
Noch wil was ewig ist kein einig Mensch betrachten!

Ich beziehe mich auf die reiche und farbenfrohe Palette des Meisters. Ich kombiniere Schmuck- und Industrieemaille, um möglichst viele Farbpaare zu erhalten – die Farbklänge sind entgegen der Palette des Malers nicht vordergründig delikat und vornehm. Manche sind ungewohnt, manche schrill oder sogar hässlich, manche sind wirklich schön – so wie das Leben.
In ihrem Zusammenspiel erlangen die emaillierten Scheiben eine besondere Schönheit. Diese wird gebrochen durch das zugefügte Vanitas-Symbol – der Totenschädel. Auf den ersten Blick erscheint er wie eine beinerne Perle, die auf dem Scheitel jedes Emaillepaares trohnt. Der zweite Blick gibt das Geheimnis preis und erinnert uns an die Vergänglichkeit.
Schönheit und Vergänglichkeit sind allen Dingen immanent.

 

 

 

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